"Stille Geburt"

Stille Geburt (Totgeburt)

Wenn in der Schwangerschaft festgestellt wird, dass Euer Kind nicht mehr lebt, kein Herzschlag mehr festzustellen ist, wird eine "Stille Geburt" eingeleitet.

Welche Ursachen führen zu einer Totgeburt?

Eine Totgeburt kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel können Störungen der Plazenta, Nabelschnurknoten, Infektionen, Fehlbildungen des Kindes oder ein Sauerstoffmangel dazu führen, dass Euer Baby im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt wird. Betroffene Eltern empfinden eine Totgeburt häufig als eigenen Misserfolg. Deshalb kann es wichtig sein, der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Dazu besteht die Möglichkeit, nach der Totgeburt eine Obduktion durchführen zu lassen. Allerdings kann auch dann die Todesursache nicht immer eindeutig bestimmt werden. Ob eine Obduktion gewünscht ist oder nicht, entscheidet Ihr als Eltern ganz individuell für Euch: Ohne Eure Erlaubnis finden keine Untersuchungen am verstorbenen Kind statt.

 

Warum wird dann ein Baby spontan entbunden und nicht per Kaiserschnitt?

Häufig ist der erste Impuls nach einer so schrecklich traurigen Nachricht, sich so schnell wie möglich von dem Kind zu "befreien". Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben und normal gebären zu müssen, ist zunächst kaum vorstellbar. Das ist absolut verständlich.

Jedoch birgt ein Kaiserschnitt Risiken für die Mutter, es ist eine Operation, welche nur durchgeführt wird unter Abwägung aller Risiken. In diesem Fall wird daher empfohlen, das Baby auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen.

Die Geburt ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und die körperlichen Vorgänge während der Entbindung (z.B. die Bildung von Hormonen) können dabei helfen, psychisch und physisch diesen Verlust besser zur verarbeiten und bietet vor allem die Möglichkeit, ganz individuell nach Euren Wünschen von Eurem Baby Abschied zu nehmen und Erinnerungen zu schaffen.

 Das Schaffen von Erinnerungen, die Möglichkeit dass Ihr Euer Baby sehen, berühren und spüren könnt, Euch auf Eure individuelle Art verabschieden, taufen oder segnen könnt, wird Euch in der Zeit danach und auch noch viele Jahre später helfen und sehr wertvoll werden.

Wir begleiten Euch gerne in dieser schweren Situation und stehen Euch, wenn Ihr das wünscht, zusätzlich neben den betreuenden Ärzten und Hebammen zur Seite. Wir unterstützen Euch, eine für Euch individuelle "Stille Geburt" so liebevoll und geborgen wie nur möglich zu gestalten - ganz nach Euren Wünschen und Empfinden. 

Wie wird die Geburt eingeleitet?

Generell ist eine medikamentöse Einleitung der Geburt möglich. Wir und Experten raten aber davon ab, die Trennung von Euch und Eurem Kind zu früh zu vollziehen. Bekommt Ihr nicht ausreichend Zeit, um den Tod Eures Kindes vor der Geburt zu akzeptieren und Euch verabschieden zu können, treten später vielleicht zusätzliche psychische Belastungen auf. Aus medizinischer Sicht kann in den meisten Fällen sogar der natürliche Einsatz der Wehen abgewartet werden. Hatte Euer Ungeborenes keine schwere Infektion, stellt Euer Baby auch keine Gefahr für Euch dar. Euer Arzt klärt Euch hier sicherlich gewissenhaft auf, ansonsten scheut Euch nicht klar danach zu fragen, ob Euer Leben unmittelbar in Gefahr ist und daher ein sofortiges Handeln geschehen muss.

Wo findet die stille Geburt statt?

Die Geburt Eures Babys kann in einer Klinik stattfinden, oder wenn aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen spricht, ist es auch möglich zu Hause in Begleitung einer Hebamme oder in einem Geburtshaus Euer Baby zur Welt zu bringen.

Kann die Milchbildung nach der Totgeburt unterdrückt werden?

Hormonell bedingt beginnt Euer Körper nach der Geburt automatisch mit der Milchproduktion. Wird aber die Brust nach Geburt nicht stimuliert durch das Anlegen, stillt der Körper auf natürliche Weise ab. Diese Form wird häufig von den Müttern als eine Form der Trauerarbeit empfunden. Ein medikamentöses Abstillen in Form einer Tablette wird nicht empfohlen, da dieses Medikament zu stark in den Hormonhaushalt eingreift und sich auf den psychischen Zustand zusätzlich negativ auswirken kann.

Der Abschied nach einer "Stillen Geburt"

Früher war es nicht üblich, dass sich Mütter von ihren verstorbenen Kindern verabschiedeten. Eine Totgeburt wurde als Tabuthema behandelt, Mütter sollten die Kinder erst gar nicht sehen, sondern sie lieber schnell vergessen. Die Babys tauchten nicht in den Familienbüchern auf. Heute spielt das Abschiednehmen nach der Totgeburt zu Recht eine wichtige Rolle.

Viele Eltern haben in ihrer Phantasie häufig ein grausames Bild von Ihrem verstorbenen Baby vor Augen. Diese Vorstellung entspricht aber nicht der Realität! Betroffenen Eltern nehmen Ihr verstorbenes Baby als schön und den Anblick als wertvollen Moment wahr.

Ihr habt die Möglichkeit Euer Baby zu betrachten, in den Arm zu nehmen oder Euch auf die Brust zu legen, es zu berühren, zu streicheln, zu liebkosen..... 

Die Hebammen und Ärzte gehen sehr behutsam mit Euch und dem Baby um, waschen es oder helfen Euch dabei, wickeln es in ein Tuch oder in ein schönes Deckchen, welches Ihr auch ausgewählt mitbringen könnt. 

Erinnerungs-Fotos

Ihr könnt Erinnerungsfotos aufnehmen oder darum bitten, dass die Hebamme Fotos von Euch und Eurem Kind als bleibende Erinnerung an Euer Baby macht. Es gibt auch Fotografen, welche auf Rufbereitschaft sind, um Euch ein besonders schönes Erinnerungsbild zu ermöglichen und zu schenken. Diese Aufnahmen werden ehrenamtlich gemacht oder von Spenden finanziert. Aufnahmen können stärkende, wertvolle Bestandteile im Trauerprozess sein.

 

Religiöse Rituale

Auf Wunsch habt ihr auch die Möglichkeit, dass ein Pfarrer oder Priester Euer Kind segnet. Auch für andere religöse Rituale, welche für Euch von Bedeutung sind, ist Zeit. Scheut Euch nicht Eure Wünsche diesbezüglich zur Gestaltung anzusprechen. 

Namen für Euer Baby

Gebt Eurem Baby einen Namen, denn es ist und bleibt Teil Eurer Familie.

Wird nach einer Totgeburt eine Geburtsbescheinigung ausgestellt?

Laut Gesetz ist es verpflichtend, eine Totgeburt beim Standesamt zu melden. Diese Meldung soll spätestens am dritten Tag nach der Entbindung erfolgen. Für Euer Kind wird eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk ausgestellt.

 

Beerdigung nach Totgeburt

In Deutschland muss ein Kind, das mit einem Gewicht von über 500 Gramm tot zur Welt kam, bestattet werden. Für Kinder unter 500 Gramm besteht keine Bestattungspflicht, eine Beerdigung ist aber auf Wunsch möglich. Wir haben hier Adressen zu Bestattungsinstituten, die Erfahrung und Einfühlungsvermögen mit der Beerdigung von Sternenkindern haben.

 

Besteht nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Die reguläre Schutzfrist für Mütter, acht Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten zu dürfen, besteht auch nach einer Totgeburt. Nur auf Euer ausdrückliches Verlangen ist es in diesem Fall möglich, bereits vor dem Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit (frühestens drei Wochen nach der Entbindung und wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegenspricht) wieder arbeiten zu gehen.

 

Hilfe für betroffene Eltern

Sein eigenes Kind schon vor Beginn des neuen Lebens verabschieden zu müssen, ist ein schicksalhaftes, sehr emotionales und zutiefst trauriges Ereignis. Wir helfen Euch in dieser schwierigen Zeit, hören Euch zu und vermitteln Kontakt zu anderen Betroffenen – wir helfen Euch die Trauer zu überwinden und neue Hoffnung zu schöpfen.

Eure Nicole Schwaiger

Mail: Praxis Schwaiger info@praxis-schwaiger.de

www.praxis-schwaiger.de
Tel:0151 / 207 87 107

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